Heimatwerk Einsiedel
Die Einsiedler Weihnachts-Pyramide

Die Einsiedler Pyramide auf einer Fotografie vom 18. Dezember 2005, ein kurzes Video vom 1. Dezember 2012 finden Sie weiter unten.

Das Bauwerk wurde im Sommer 1970 begonnen und drehte dann zum ersten Advent des gleichen Jahres erstmals seine Runden. Die Väter der Pyramide sind zwei Einsiedler. Sie wurde vom Kunsthandwerker Werner Glöß und von dem Metallbaumeister Horst Heidernätsch, freilich mit anderen zusammen, geschaffen. Sechs Monate brauchten sie damals, um aus Abfallholz des Sportgerätewerkes Chemnitz das zehn Meter hohe Bauwerk zu schaffen.

Ideengeber für den Bau einer Pyramide indes war der damalige Einsiedler Bürgermeister Günther Uhlig.
Im Zuge der DDR-weiten Aktion “Schöner unsere Städte und Gemeinden - Mach mit!”, war er es, der auf den Gedanken mit der Pyramide kam.

Jährlich wird die Pyramide am Samstag vor dem ersten Advent errichtet, oben links eine Aufnahme vom 27. November 2004.

Auf der unteren Etage drehen sich “Einsiedler Originale”. Braumeister, Förster und Postbote. Dazu der im Erzgebirge typische Nussknacker.
Der Postbote muss furchtbar wichtig sein - der wurde nämlich schon mal geklaut (1995). Man sieht die 1,65 m hohe Neuschöpfung des Postboten auf dem Foto oben in der Mitte. Deutlich ist zu sehen, dass er seine “Etagen-Genossen” um einiges überragt. Die Erklärung dafür ist recht simpel: Werner Glöß hat den Postboten nach dem Diebstahl neu schaffen müssen, unerklärlicher Weise hat er sich wohl in der Höhe vertan. Oder man nimmt zur Grundlage, dass der neue Postbote sich den Herrn Kühn als Beispiel nimmt? Herr Kühn - wer war denn das?
Kühn lebte zu Kaisers Zeiten in Einsiedel auf der Herrmannstraße und war sächsischer Landesmeister im “Brief-zu-stellen”, er war also der Schnellste in dieser “Disziplin”. Man sagt auch, er war lang und dürr und für einen forschen Laufschritt war wohl sein Name Programm.
Fazit: Der Pyramiden-Postbote wurde nicht versehentlich so groß, nein, er stellt den Herrn Kühn dar...
Die  Spanbäume der unteren Plattform (Foto Mitte) gelten mit einer Höhe von 1,60 m als Besonderheit bei freistehenden Pyramiden.

In der mittleren Etage laufen - auch erzgebirgstypisch - einige Bergmänner.

Ganz oben drehen Laternenkinder ihre Kreise (statt Kurrende, der Grund siehe weiter unten).

Reparaturen an der Pyramide bezahlte oftmals die Stadt Chemnitz oder Sponsoren, die glücklicherweise gefunden wurden. Die Drehteller waren früher aus Holz, heute ist es wetterbeständiges Metall. 2001 wurden die Spanbäume erneuert und 2005 gab es ein neues Flügelrad, diesmal aus Mahagoni.
Es wird also immer was zu tun geben: dem Förster hatte man auch schon mal das Gewehr geklaut und einige Leutchen dachten in der Vergangenheit, sie müssten auf der Pyramide mal einige Runden mitfahren...

Wie jeden Samstag vor dem ersten Advent finden sich engagierte Einsiedler Firmen und Bürger vor dem ehemaligen Postgebäude ein, um die Pyramide zusammen zu setzen. Was die ersten Jahre eigentlich reine Handarbeit war -wie auf dem Foto oben links aus den 1970er Jahren-, hat sich nach und nach gebessert. Während Anfang der 1970er Jahre vier Männer vom Dach des Postgebäudes aus mit Seilen die 10-Meter-Seitenteile in die Höhe hievten, so wurde später ein Autodrehkran (in abenteuerlicher Aktion) bereitgestellt. Nach der Wende konnte so etwas dann für teuer Geld auch gemietet werden. Wesentlich billiger wurde es mit der Eingemeindung nach Chemnitz, seither ist nämlich die Chemnitzer Berufsfeuerwehr mit einem kostenlosen Kran behilflich. So gesehen am Vormittag des 27. November 2004.
Der Standort der Pyramide wurde seit ihrem Bestehen noch nie verändert.

Drei Diaaufnahmen aus den 1970er Jahren, rechts 1979.
(Fotos: links Torsten Richter, Mitte Reiner Buschbeck, rechts Wolfgang Röhr)

Wie bereits geschrieben, wurde und wird die Pyramide jährlich aufgestellt. Man kann also 1970 beginnend immer ein Jahr dazu zählen.
Allerdings gab es drei weitere, “außersaisonale” Ereignisse, an denen das Bauwerk errichtet wurde.
Das erste Mal überhaupt hat das “Pyramiden-Kollektiv” sie im Grundstück von Werner Glöß, Berbisdorfer Straße 18, im November 1970 errichtet. Das war sozusagen die Generalprobe.
Ein weiteres Mal wurden 1978 viele regionale Pyramiden auf dem Theaterplatz in Karl-Marx-Stadt präsentiert, so auch die Einsiedler. Diese wurde unter Begleitung der Volkspolizei dorthin geschafft, da der achteckige Unterbau Überbreite hat und die Fahrbahn entsprechend gesperrt werden musste.
Ein drittes Mal außer der Reihe wurde die Pyramide schließlich zur 725-Jahr-Feier im Sommer 1980 errichtet, wir sehen sie auf nebenstehenden Foto.
Ein weiterer Aufstellungsort war geplant: 1979 in Berlin im Palast der Republik. Dies scheiterte jedoch an einen Meter Deckenhöhe, da die Pyramide dort im Foyer neben der “Gläsernen Rose” aufgestellt werden sollte.

 

 

Ergänzender Artikel: Berbisdorfer Straße 18 Kunsthandwerk Werner Glöß

 

 

Hintergrundwissen (Weihnachts-)Pyramiden:
Weihnachtspyramiden sind in Deutschland bereits seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Allerdings handelte es sich dabei durchweg um Anfertigungen für die “Guten Stuben”. Die erste Freiland-Pyramide wurde 1933 durch den Frohnauer Schnitzerverein gebaut. Politische Querelen der sozialdemokratischen Erbauer mit den regierenden Nationalsozialisten bereiteten dieser Pyramide bereits wenige Jahre später ein vorläufiges Ende, der Schnitzerverein zerlegte die Pyramide wieder. In anderen Orten des Erzgebirges entstanden allerdings bis 1945 noch etwa sieben dieser großen Zeugen dörflichen Gemeinschaftslebens. Viele Berufszweige einer Ortschaft legten gemeinsam Hand an, kündigte doch die fertige Pyramide von der Handwerkskunst ihrer Erbauer. In den 1960er Jahren erlebte dann der Pyramidenbau im Erzgebirge einen Boom. Die DDR förderte über das NAW die Städte und Gemeinden, wer auf christliche Motive wie Kurrendesänger verzichtete, erhielt finanzielle Zuschüsse. Bis zur Wende entstanden um die 100 Freiland-Pyramiden, ihre Zahl hat sich seither nochmals verdoppelt.

 

 

 

 

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Wem es jetzt noch nicht drehend ist, der lese ruhig weiter. Nachfolgend eine kleine Bilderserie mit erklärenden Texten vom Aufbau der Pyramide am 27. November 2010 und dem anschließenden “Pyramidenanschieben” derselben anlässlich deren 40. Geburtstages.

 

 

Der Kran der Chemnitzer Berufsfeuerwehr steht bereit und selbstredend das Aufbaukollektiv auch.

Die Hauptpersonen indes warten gespannt auf die Fertigstellung ihrer mehrwöchigen Mitfahrgelegenheit...

Während der Kran zwei Außenträger in die Höhe hebt, wird auf der Gegenseite manuell mit Seilen gesichert, so dass die Pyramide nicht in Richtung Kran kippen kann.

Die beiden restlichen Außenträger werden mit Manneskraft in die Höhe gewuchtet und verschraubt.

Wie eigentlich überall, so geht auch beim Einsiedler Pyramidenbau die Befehlskette
von oben.............................................................................nach unten ;-)

Wenn der Korpus mit den Drehtellern steht, werden die Figuren aufgesetzt.

 

Horst Heidernätsch, “Mann der ersten Stunde” und einer der Väter der Pyramide, hält eine kurze Ansprache und begrüßt die zahlreichen, nachmittäglichen Gäste, die sich ab halb zwei zum “Pyramidenanschieben” eingefunden haben.

Der Posaunenchor Einsiedel.

 

Jörg Wollschläger, auch ein jahrelanger, tatkräftiger Helfer beim Pyramidenaufbau.

Seit das ehemalige Postgebäude (Einsiedler Hauptstr. 66) veräußert wurde, befindet sich den Standplatz nunmehr auf privatem Grund. Der seinerzeitige Käufer, die Sicherheitsfirma “Argus”, stellt aber jährlich den angestammten Platz zur Verfügung.

Steffen Göthel, Schwiegersohn von Werner Glöß, versucht “erfolglos”, die Pyramide anzudrehen.

Drei “Mann” braucht es, die Figuren in Bewegung zu setzen...

 

Und während sich die Einsiedler ihrer Pyramide erfreuen...

 

...steht das Aufbauteam dem “Lokalfernsehen Einsiedel” Rede und Antwort.

 

Ausnahmsweise ist es gestattet, einen Blick in das Innere des achteckigen Sockels zu werfen.

Man erkennt recht gut, die zum Teil noch alte, originale Technik aus den Anfangsjahren.
Noch immer verrichten Elektromotor, Riemen und Riemenscheibe zuverlässig ihren Dienst.

Und auch mit einem anderen Gerücht wird aufgeräumt.

Wilde Theorien, was denn das Aufbaukollektiv nach getaner Arbeit im Inneren des Sockels macht...finden sich bestätigt!

 

 

 

 

Video: Die Pyramide Einsiedel am 1. Dezember 2012, am Abend des Samstag vor dem Ersten Advent...
 

 

 

29. November 2014:
Es lohnt sich wohl, die Geschichte der Einsiedler Pyramide etwas fort zuschreiben. Nachfolgend einige Schnappschüsse von Aufbau 2014, verbunden mit dem allerbesten Dank an das “Pyramiden-Kollektiv” für die ehrenamtliche Arbeit!

 

Unter den Bildern noch ein Video-Schnipsel von knapp einer Minute, freilich auch vom Aufbau. Lange hat´s gedauert, bis ich genug Gelder und Sponsoren zusammen hatte, um dieses epochale Werk zu drehen...

 

 

 

 

 

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