Einsiedler Hauptstraße 98   vormals
Spedition und Kohlenhandel Bruno Ullmann

Das Gebäude in der Hauptstraße 98 von der Hofseite, also der straßenabgewandten Seite aus gesehen. Wir erkennen den Eigentümer, den Fuhrunternehmer Bruno Uhlmann, mit seinen Pferden.
Das Bild stammt vermutlich aus den 1930er Jahren.
(Foto: Reiner Buschbeck)



Bruno Uhlmann wurde am 4. September 1873 in Dittersdorf geboren und verstarb am 23. September 1946 in Einsiedel.

Das Fachwerkhaus ist wahrscheinlich schon um 1800, wenn nicht noch früher, errichtet worden. Der Holzstich oben (um 1840) zeigt es uns im Vordergrund. Hinten die Türme der Kirche (links) und der Schnabel´schen Spinnerei, nachmalig “Wex & Söhne”.
Rechts eine Aufnahme wohl auch aus den 1930er Jahren. Hinter dem Gebäude und vor dem nachfolgenden Haus (Hauptstraße 96) befindet sich die Einmündung der Berbisdorfer Straße.
(Foto rechts: Jürgen Krauß)

Links ein Blick in den Hof, am linken Bildrand sehen wir den Pferdestall. Die Uhlmann´sche Spedition besaß drei Pferdewagen unterschiedlicher Größe, um allen Transportaufgaben gerecht zu werden.
Uhlmann hatte Felder an der ehemaligen Turn- respektive Kurt-Günther-Straße (heute Schollstraße) und im Fischzuchtgrund gepachtet, um das Futter für seine Pferde bereit stellen zu können.
(Foto: Reiner Buschbeck)


Doch nun zu Bruno Uhlmann selbst. In der Ortschronik von Max List findet sich ein in erzgebirgischer Mundart verfasster Abschnitt über ihn. Diesen Artikel hat vermutlich der Einsiedler Erich Schemionek verfasst und Max List noch einmal niedergeschrieben.
Ich werde ihn nachfolgend 1:1 wiedergeben.
Das Foto unten rechts (Haus & Grund Einsiedel) zeigt uns Bruno Uhlmann mit seinen Pferden.

Aus alten Schriften...Dr Uhlmann Brunn
Es gibt Name, die mar am bestn in Bildern ausdrückn möcht, domit se racht verständlich warn. On dos Bild, wos ich aufzeige will, is in unnern Dorf schie lange e Begriff geworn in dar schien Zeit, die emol unnere Zeit war.
Do trottn e Paar Pfar dos obendliche Dorf enauf, manichsmol mit on manichsmal uhne Wogn, obr immer uhne Kutscher. Un nocharts kimmt ene lange Weil nischt. Abr nach ner Stund, manichsmol a ewing später, machet dann aner s Dorf enauf mit ner blaun Schärz, mit odr uhne Mütz on wie´s grod kimmt, mit odr uhne Peitsch. Dos is dar Uhlmann Brunn. Dar Brunn is kaa schlachter Kerl. Ar is immer gut zu sen Pfarn, un wenn se nich grod Alkoholgegner wärn, nähm er se immer mit nei in de Kutscherstub. Doß dar Brunn sen Durscht nich mit Wasser stilln ka, sah die Pfar schu ei. On so nam ses em a nich übl, wenn ar eweng länger als racht is pietschn tut. Se suchn darbei ihrn Vorteil on machn sich uhne n Brunn ehäm in n Stall.
Dar Brunn singt für sei Labn gern. När wenn se e Lied aus dar Militärzeit singe, wos em an Tut von sem Bruder erinnert, da werd ar wach wie e Waschlappn. Ja, wenns em gar ze sehr grührt hot, fängt ar a ze heule a. On dos is, weil in dam Brunn e Kind stakt mit an Harzn, wies n meistn Menschn verlurn gieht, wenn se im Alltog ihrn Kampf bestiehe müssn. Dar Brunn hat när ane schwache Seit, dos is dar Dorscht. Hat doch mol aner e Rätsel ofgegabn, wos dar Onnerschied wär zwischn dem Brunn on em Kamel. On die Antwort die sollt sei: “ e Kamel ka 10 Tog arbeite uhne ze saufn, dar Brunn obr 10 Tag saufn uhne ze arbeitn.
Nachtrag (vermutlich von Max List):
Das ist jedoch sehr übertrieben, denn er hat täglich seine schwere Arbeit verrichtet und am Feierabend in der Kutscherstub* seine Bierle getrunken.


*Kutscherstub: gemeint ist mit großer Wahrscheinlichkeit der “Braune Bär” im “Gasthof Einsiedel”, Hauptstraße 95.

Das Haus wurde beim alliierten Terrorangriff am 5. März 1945 völlig ausgebombt. Es soll aber das erste Gebäude im Ort gewesen sein, dessen Dach nach dem Angriff wieder vollständig hergestellt worden war.
Rechts eine Zeichnung vermutlich Ende der 1940er Jahre.
Wohnhaus und Stallung sind gut erkennbar.
(Vorlage: Reiner Buschbeck)

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Zwei Aufnahmen aus den 1950er Jahren. Links eine Diaaufnahme etwa um 1955, rechts ein Foto der Giebelseite Ende der 1950er Jahre.
(Dia: Willi Fiebig, Foto: Reiner Buschbeck)

In den Jahren 1965 bis 1967 wurde ein weiteres Stockwerk aufgesetzt.

Auf den Fotos oben und oben rechts sehen wir, dass erst einmal eine Gebäudehälfte erhöht wurde, auf dem Bild rechts dann das nunmehr komplett aufgestockte Gebäude in der rückseitigen Ansicht.
(Fotos: Reiner Buschbeck)

Das Wohnhaus Einsiedler Hauptstraße 98 Mitte der 1990er Jahre (links) und am 28. Mai 2006.
(Foto links: Reiner Buschbeck)
 


So, nun habe ich noch einen passenden Nachbrenner. Auch dieser stammt aus der Ortschronik von Max List.
Die lustige Mundartgeschichte wurde wie der Artikel oben über Bruno Uhlmann von Erich Schemionek verfasst und wird an dieser Stelle von mir 1:1 wiedergegeben:

Aus alten Schriften...De Schneider im Möbelswogn
Dr Uhlmann Brun hot ne Möblfuhr nach Kams gemacht un wor nu ofn Hamwag in Erfenschloger Gasthuf eigekehrt. Es ging ewing fidel zu an dan Obnd, hattn doch de Schneider ausn ganzn Kreis von der Innung aus wos lus un kome manichsmol aus n Saal in de Gaststub rei im an dere Theke alle Freundschaft aufzewärme. A der Brun hot schie tüchtig aufgewärmt un wor sogar schie in dan Stadium eigetratn, wu mer dos, wos mer an sich ganz nüchtern sogn kennt, ner noch in Märchn un Liedern auszedrückn versucht. Wie ar nu esu mit dan Schneidern dischkeriert, mahnet aner, dar Brun könnt doch die vo Einsiedl un Dittersdorf in sen Möbelwogn ahamfahrn. Dar Brun war a glei dorbei. Ar brannt sich noch eine Zigarr a un nocherts ließ ar die Schneider, se mochtn stücker 9 gewasn sei, in dan Mäbelswagn klattern. Wu se aller drinne worn, machet ar de Tür zu un, domit kaner rausfalln sollt, drehet ar a n Schlüssel rem un stecket n in sei Husntasch. Nocherts klattert ar of sen Kutscherbock nof un de Pfar macheten en klenen Trapp, weil ses a satt hattn un eham wolltn.
Es war ewing kalt in dare Nacht, so em 0 Grad rem, ober vors erschte merkets kaaner, weil se alle noch mit Alkoholkalorien geheitzt worn. De Schneider hattn e Doppelquartett ofgemacht un versuchtn nu in alln Tonartn ze singe: “Dos is dar Tog des Harrn!”. Se übtn bal ne halbe Stund un kom doch nich so racht vorwärts dorbei.
Inzwischen war der Brun in sen Huf eigefahrn un weil ar noch singe höret, spanet ar erscht de Pfar ab un bracht se in Stall. Nocherts gucket ar erscht e mol in sei Stub nei - un waß der Teifl, wos ar dortn wollt - ar hatt of emol de Schneider vergassn un wor zu Bett gange.
De Schneider warn durch das Singe wieder nüchtern worn un finge a, tüchtig ze friere. Se hattn a wieder trockne Kahln gekriegt un wolltn raus. Obr de Tür wor verschlossen, se pocheten mit ihrn Schneiderfäustn an de Wand un bläktn wie de Seel in Fegefeuer noch dan Brun. Obr dar Brun konnt nicht hörn. Dar wor weit wag in sen Bett un schnarchet wie su e Bär. Wie obr de Kält in dan Wogn immer grösser wur, wur a dar Krawall immer grösser.
Grod als es zwee bei Wexens schlug, kom dar Pfüllerpolizeier de Stroß entlang. Dar war sich sofort im klarn drüber, wos der Krach ze bedeutn hatt, un doß när der Brun dahinner stackn kunnt. Ar nahm ane Brachstang die of den Huf log un broch de Tür auf. Es gob erscht ene gruße Verschwörung gegn n Brun, obr dar Pfüller mahnet, doß en Brun nicht schlachtes nachzeweisn wär, außer, doß ar se in Suff vergassn hätt.
Obr die nächtliche Ruhestörung könnte je 3 Mark kostn, wenn ar von sener Polizeigewalt Gebrauch machen wollt. Do ließn de Schneider ihre Rachegelüster folln un versprochn, de Sach ze vergassn. Dar Pfüllerschutzmaa obr, dan mar in Einsiedel ob sene väterlichn Einstellung ze sen Clientn e Denkmol hätt setzn solln, ging schmunzelnd s Dorf nauf, sen Nachtdienst bis 3 Uhr wetter zu verrichtn.

Erich Schemionek

 

 

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