Einsiedler Hauptstraße 93
vormals Klempnerei Arthur Matz, Schlosserei Anton Matthes

Das Gebäude Einsiedler Hauptstraße 93 in einer Aufnahme um 1936.
Zu dieser Zeit betrieb der Eigentümer Arthur Matz im Hause seine Klempnerei, wie uns die unten stehende Anzeige aus dem “Einsiedler Wochenblatt” von 1935 verrät.

(Foto links und darunter: Jörg Herrmann)

Weiterhin befand sich direkt an der vorderen Grundstücksgrenze eine Zapfsäule für Benzin der Mineralölgesellschaft “Standard”. Darum gibt es das Foto links gleich noch mal in recht ähnlicher Form wie das Bild darüber, nur sehen wir jetzt die Zapfsäule “in voller Pracht”.
Der aufmerksame Betrachter erkennt zwischen Säule und Fahnenmast ein Emailleschild mit dem Hinweis für die “Dienstglocke”. Also bitte klingeln, wenn Treibstoff gewünscht wird...

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Tankstelle nicht mehr genutzt und verfiel im Laufe der Zeit. Die leere, verrostete Karkasse der Zapfsäule bestand bis weit in die 1980er Jahre.
Unten ein Foto mit den Resten der Tanksäule im Jahre 1986. Die ursprünglich oben befestigten Peitschenlampen fehlen bereits, die beiden im Inneren angebrachten, gläsernen 5-Liter-Zylinder zum Abmessen der Benzinmenge sind zum Zeitpunkt aber noch vorhanden.

Unten links noch mal das Emailleschild, es existiert noch immer...hängt freilich aber nicht mehr am Zaun...

Oben links ein Foto aus dem Jahre 1931. Die “Freiwillige Sanitätskolonne Einsiedel” posiert vor ihrem Gerätehaus. Diese Wellblechbaracke stand auf den Grundstück Hauptstraße 95 (Gasthof Einsiedel). Die Nr. 93 erkennen wir im Hintergrund.
Oben rechts eine Doppelannonce aus dem Jahre 1926. Wir sehen, dass neben Arthur Matz auch noch ein Anton Matthes hier geschäftlich tätig war.
(Foto: Haus & Grund Einsiedel, Anzeige: Ingobert Rost)

Das Gebäude selbst fiel dem Bombenangriff am 5. März 1945 zum Opfer und wurde nicht wieder errichtet. Statt dessen wurde das weniger beschädigte Hintergebäude (links hinter der Zapfsäule auf den Bildern oben erkennbar) wieder aufgebaut und dient noch heute als Wohnhaus.
Unten links eine Diaaufnahme vom Kirchturm aus. Dominiert wird dieses Bild allerdings vom Feuerwehrgerätehaus auf dem Grundstück des ebenfalls im Bombenterror untergegangenen Gasthofs Einsiedel.
Unten rechts das Gebäude Hauptstr. 93 im Jahre 1972. Aus den Resten und Grundmauern des ehemaligen Hauptgebäudes ist ein Anbau geworden, der zu Lager- und Wirtschaftszwecken genutzt wird. Das vormalige Hintergebäude ist jetzt ein vollständig ausgebautes Wohnhaus.
(Fotos: links Haus & Grund Einsiedel, rechts Jörg Herrmann)

Das Gebäude von der Straße aus gesehen am 23. Juli 2004.
Der hölzerne Treppenaufgang ist durch einen massiven Anbau Mitte der 1970er Jahre ersetzt worden.

Seltener schon dieser rückseitige Anblick von der Zwönitz aus.
So gesehen unter dem 21. April 2013.

Toska Arnold

Aber noch mal ein Sprung zurück in die jüngere Einsiedler Geschichte:
Arthur Matz verkaufte später das Grundstück an Max Arnold, dessen Erben es noch heute besitzen.


Max Arnolds Ehefrau und Witwe Toska (links) wohnte bis zu ihrem Tode in der Hauptstraße 93.
Sie wurde am 19. November 1887 geboren und war mit über 102 Jahren vermutlich die bisher älteste Einsiedler Bürgerin.
(Foto: Jörg Herrmann)

Das Foto links zeigt Toska Arnold zu ihrem 100sten Geburtstag am
19. November 1987 zusammen mit dem Vorsitzenden der CDU des ehemaligen Bezirkes Karl-Marx-Stadt, Joachim Gelfert. Sie war seit
2. November 1945 Mitglied dieser Partei. Ihr Ehemann, Max Arnold, war Mitbegründer der Ortsgruppe Einsiedel der CDU.
(Foto: Jörg Herrmann)

Aber ein 100ster Geburtstag schafft es auch in die höhere Politik und in die Lokalpresse. Zwei kurze Artikel unten links und Mitte.
Unten rechts dann das Gratulationsschreiben der SED-Bezirksleitung zum 102ten Geburtstag.
Und schlussendlich hat Toska Arnold das Kaiserreich, die Weimarer Republik, das Dritte Reich und fast auch die DDR überlebt...sie starb im Frühjahr 1990.

 

 

Parteibanner der CDU in der DDR

Hintergrundwissen CDU (DDR):
Die (Ost-)CDU wurde am 26. Juni 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone gegründet, nachdem die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) die Etablierung “antifaschistisch-demokratischer Parteien” in der Sowjetischen Besatzungszone zugelassen hatte.
Der anfängliche Name lautete Christlich-Demokratische Union Deutschlands (CDUD). Die Ziele der Partei (geistige und religiöse Gewissensfreiheit, sowie Demokratie im westlichen Sinne) konnte die CDUD unter sowjetischen Druck allerdings kaum verwirklichen.
Aus diesem Grunde schloss sich die Partei der Nationalen Front der DDR an und etablierte ab 1952 ähnliche Parteistrukturen wie die SED, so dass das Vermögen der Partei und der politische Kurs von einigen wenigen Generalsekretären kontrolliert wurde. Mit diesem Kurswechsel waren drastisch sinkende Mitgliederzahlen verbunden, sie sanken von 218.000 im Jahre 1947 auf 70.000 um 1950.

Erst in der Wendezeit in den späten 1980er Jahren konnte die DDR-CDU wieder aus der Bedeutungslosigkeit als Blockpartei hervorkommen.
In den Wendewirren konnte sie bei der Volkskammerwahl 1990 in der "Allianz für Deutschland" zusammen mit dem Demokratischen Aufbruch (DA) und der Deutschen Sozialen Union (DSU) überraschenderweise die absolute Mehrheit erlangen. So stellte die CDU die letzte Präsidentin der Volkskammer der DDR (Sabine Bergmann-Pohl). Am 1. Oktober 1990 ging die Partei in die West-CDU über.

 

 

Einsiedler Hauptstraße
Nach oben zum Seitenanfang.Nach oben zum Seitenanfang.
Retour StartseiteZur Startseite...