Einsiedler Hauptstraße 90   vormals Fleischerei
Moritz Fischer, später Walter Edel, Gotthard Edel...

Ehemalige Ortslistennummer/Brandkatasternummer 35

 

 

Die Ursprünge der heutigen Fleischerei Edel finden wir in der Hauptstraße 105. Ebenda gründete im Jahre 1886 der Viehhändler und Fleischermeister Friedrich Rudolf Edel seine Fleischerei, die er bis 1910 führte. Dann übernahm sein Sohn Bruno das Geschäft. Bruno selbst hatte zwei Söhne, Rudolf, 1904 geboren, und Walter, 1906 geboren.

Auf dem nebenstehenden Familienfoto, aufgenommen vor dem Geschäft in der Hauptstr. 105 sehen wir Walter links mit dem Hammer über der Schulter und - mit seiner rechten Hand den Ochsen haltend - Rudolf. Das Elternpaar Bruno und Frieda Edel sehen wir mit weißen Schürzen auf der rechten Seite.
(Foto: Fam. Edel)

Als Bruno Edel 1932 - mittlerweile Innungsobermeister - das Geschäft auf die nächste Generation übertrug, übernahm freilich der erstgeborene Rudolf dieses.

 

Walter indes erwarb 1932 die bereits damals schon Jahrzehnte bestehende Traditionsfleischerei Carl Moritz Fischer in der Hauptstraße 90.

Und damit verlassen wir die Hauptstraße 105 (die später an anderer Stelle noch publiziert wird) und widmen uns jetzt der Fleischerei Edel in der Hauptstraße 90.
Links eine Werbeannonce von Moritz Fischer aus dem Jahre 1926.
(Vorlage: Ingobert Rost)

Unmittelbar nach Erwerb baute Walter Edel das Gebäude sehr aufwändig um. Auf dem Foto sehen wir noch den ursprünglichen Zustand des Gebäudes, so wie es Moritz Fischer verkaufte.
(Foto: Haus & Grund Einsiedel)

Bevor dieses Gebäude errichtet wurde, stand hier auf dem Terrain bzw. in nächster Umgebung ein sogenanntes Zechenhaus (Huthaus). Es ist davon aus zu gehen, dass hier am und im Berg geschürft wurde. Allerdings ohne bekannten Erfolg, so dass man von einem “Einsiedler Berggeschrey” nie etwas hörte.
Mehr Ausbeute versprach seinerzeit die Zwönitz und so wohnten in dem vormaligen Zechenhaus dann Fischer. Ihre Fänge, Forellen und Lachse, verkauften sie im Ort und in der Umgegend und sie belieferten auch das Kloster in Chemnitz.

Ein Foto um 1933. Im selben Jahr eröffnete Walter Edel hier seine Fleischerei. Dem waren aufwändige Umbauten voraus gegangen. Neben einer völlig neuen inneren und äußeren Ladengestaltung (vergleiche mit dem Bild darüber) wurden ein Schlachthaus, Kühlräume und Garagen errichtet.
(Foto: Fam. Edel)

Links ein Foto Mitte der 1930er Jahre, die vor dem Haus vorbei ziehenden Mädchen vom BDM lassen uns den Zeitpunkt recht genau definieren. Rechts in etwa der gleiche Ausblick am 13. März 2011.
(Foto links: Fam. Edel)

Das Ehepaar Walter und Gertrud Edel 1933 nach Geschäftseröffnung hinter der Verkaufstheke.

Man sprach jetzt im Dorf vom “unteren” und “oberen” Edel, Letzterer war Rudolf in der Hauptstr. 105.

 

 

Unten zwei Bilder aus den 1930er Jahren, Bullen vor der Schlachtung.
Die Tiere erreichten ein Gewicht von bis zu 18 Zentnern.
(Fotos: Fam. Edel)

Die Bombenangriffe im Februar und März  gingen einigermaßen glimpflich für die Fleischerei von Walter Edel ab. Zwar wurde das Schlachthaus getroffen, aber das Wohngebäude trug keine Schäden davon.
Nach dem Angriff vom 5. März wurde im Grundstück ein Blindgänger (250 kg) entdeckt. Ein Augenzeuge berichtet, dass zwei Franzosen aus einem KL diesen unter Aufsicht eines Luftwaffenoffiziers entschärfen mussten, indem der Zünder herausgedreht wurde. Zum Vorschein kam der Inhalt, ein knallgelbes Pulver.
Das zerstörte Schlachthaus indes wurde alsbald wieder aufgebaut.

Nach dem Krieg wurden von der Fleischerei Edel auch die ersten Fahrzeuge angeschafft.
Oben links der Lieferwagen ist ein Phänomen RL 24, Baujahr 1928. Oben das das gleiche Fahrzeug, jetzt allerdings “aufgehübscht” mit neuer Lackierung und entsprechender Werbung an der Türe.

Beim Familien-Pkw links handelt es sich um einen NSU-Fiat Baujahr 1934.
(Fotos: Fam. Edel)

Werbeannonce aus der Broschüre “700 Jahre Einsiedel” aus dem Jahre 1955.

 

Am 1. April 1970 übergab Walter Edel seinem Sohn Gotthard (geb. 1934) das Geschäft. Auf dem Foto von links Walter, Gotthard, dessen Ehefrau Hannelore und die Senior-Chefin Gertrud Edel.
Man vergleiche auch mit dem Foto von 1933 - die Ladeneinrichtung ist nahezu identisch. Im Laufe der Zeit sollten aber noch viele bauliche Erweiterungen und Modernisierung folgen.
(Foto: Fam. Edel)

Das Arbeitspensum der Fleischerei in der Mitte der 1980er Jahre war enorm. Zum Zeitpunkt verarbeitet die Fa. Edel in einer Woche:

  • 40 bis 50 halbe Schweine
  • 12 Rinderviertel
  • ein Schaf (im Herbst bis zu vier)
  • ein Kalb

Die Ergebnisse der Fleischverarbeitung finden wir auf den beiden nachfolgenden Fotos.

Drei Aufnahmen etwa um 1985 zeigen uns einen Blick hinter die Kulissen. Seinerzeit moderne Maschinen gepaart mit jahrzehntelangem fachlichen Können ergaben eine für DDR-Zeiten beachtliche Vielfalt im Sortiment bei Wurst, Fleisch und Schinken. Bis zur Wende 1990 beschäftigte die Fleischerei zeitweise bis zu 14 Personen und ebenso wurden hier Lehrlinge ausgebildet.
(Fotos: Fam. Edel)

Fotos links und unten:
1985 wurde eine Räucherei angebaut.
(Fotos: Fam. Edel)

 

Ab 1990 ergaben die sich für die meisten Handwerksbetriebe in der DDR neue Perspektiven, Möglichkeiten und vor allem Umorientierungen.

Bereits im Mai, also noch vor der Währungsreform, baute Gotthard Edel seine Inneneinrichtung um. Zum Einsatz kam jetzt eine gebrauchte Ladeneinrichtung aus Bayern, die seinerzeit noch mit allerlei Zollformalitäten über die Grenze nach Einsiedel transportiert und erst im Juli 1990 dann mit D-Mark bezahlt wurde.

Zwei Fotos aus dieser Zeit noch mit der Einrichtung von 1933, rechts dann wirklich der letzte Tag...
(Fotos: Fam. Edel)

Die bisher ungenutzte Fläche vor dem Haus verwandelte sich 1990 in einen kleinen Vorgarten mit Sitzgelegenheiten, da zeitgleich im Verkaufsraum auch das Angebot um einen Imbiss erweitert wurde.
(Foto: Fam. Edel)

Oben zwei Momentaufnahmen von einer Veranstaltung auf dem Parkplatz der Waldklause. Der genau Zeitpunkt und auch der Anlass sind unklar, sehr wahrscheinlich handelt es sich aber zeitlich um den Sommer 1990.

Ebenfalls 1990 kam eine Ladenfiliale in Erdmannsdorf dazu. Diese bestand bis 2004, rechts eine undatierte Innenaufnahme davon.
(Fotos: Fam. Edel)

Unter dem 1. Januar 1995 übernahmen Tochter Ramona und Schwiegersohn Uwe Kerner die traditionsreiche Fleischerei und führen diese in der
5. Generation weiter. Neben dem etabliertem Imbissraum wurde das Angebot der Fleischerei um einen umfangreichen Party-Service erweitert.
(Foto: Fam. Edel)

Auf den unzähligen Einsiedler Festen, ob Maibaumsetzen, Brauereifest, Kirmes oder Weihnachtsmarkt, finden wir nun seit Jahren die Fleischerei Edel mit einem Stand bzw. Grill vertreten und können uns diese eigentlich gar nicht wegdenken. Oben zwei Beispielfotos, die sich wohl in unendlicher Zahl fortsetzen ließen. Links beim Zwickelbierfest Ostern 2000, als neue Kreation von Uwe Kerner (hinten) gab es da eine “Zwickelbierwurst”, deren Zusammensetzung freilich geheim ist. Und oben rechts sehen wir den Prof. Brinkmann alias Klausjürgen Wussow (†) als Kunde am edelschen Grill...

Das Gebäude am 18. Dezember 2005. Bereits im April 1992 wurde der rote, sehr großzügig verglaste Vorbau errichtet. Mit den innliegenden Sitzgelegenheiten sichert er vor allen den Nutzern des Imbiss´ wetterunabhängigen Genuss der erworbenen Speisen.

Die Fleischerei Edel, Inhaber Uwe Kerner, am 23. April 2011.
Im gleichen Jahr feiert dieses traditionsreiche Einsiedler Unternehmen sein 125jähriges Jubiläum, welches einstmals in der Hauptstraße 105 im Jahre 1886 gegründet wurde...

 

 

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