Einsiedler Hauptstraße 85
vormals "Restaurant zum Bahnhof"

Das “Restaurant zum Bahnhof” in der Hauptstraße 85 auf einer Fotografie aus den 1930er Jahren...
(Foto: Christina Brühl)

...und, um gleich mal einen unmittelbaren Vergleich zu haben, eine Aufnahme vom 2. Oktober 2014.

Das Restaurant verfügte über eine lange Tradition. Oben links eine Lithografie vom 16. November 1898, die Karte daneben lief postalisch 1904.
(Lithografie: Hans-Christian Günther)

Unten links eine Postkarte vom 6. Mai 1911. Der Name für das Lokal schwankte: “Restauration, Restaurant, Gasthaus, Gaststätte”...die Konstante waren dann immer die Schlussworte: “...zum Bahnhof”. Die Postkarte unten rechts ist aus dem Jahre 1923.

Oben links eine Lithografie zwischen 1910 und 1920, darunter eine Aufnahme vom 2. Oktober 2014. Rechts der gleiche Blickwinkel, nur diesmal als Foto aus den 1930er Jahren.
Anfangs wurde die “Restauration zum Bahnhof” von einem Bernhard Hartmann betrieben wurde, später kaufte Frau Frieda Kürsten Haus und Gaststätte und betrieb sie weiter.
(Lithografie und Foto rechts: Christina Brühl)

Werbeanzeige aus dem “Einsiedler Wochenblatt” 1935.

 

Das Foto stammt wohl aus den frühen 1920er Jahren. Es zeigt vermutlich den Spediteur Fritz Lohs (oder Lohse). Er war der Vorbesitzer der uns später als “Kohlen-Helbig” bekannten Kohlenhandlung in der Berbisdorfer Straße 35.
(Foto: Christina Brühl)

Die “Gaststätte zum Bahnhof” ist nicht zu verwechseln mit der Bahnhofsgaststätte respektive “Reichsbahnwirtschaft Einsiedel”, diese befand sich direkt im Bahnhofsgebäude.
Oben zwei Werbeanzeigen aus einer Beilage des “Chemnitzer Tageblattes” vom Oktober 1936.
Nach dem Wiederaufbau des zerstörten Bahnhofsgebäudes wurde die darin befindliche Gaststätte von Hermann Brühl in Pacht betrieben, wie uns die nebenstehende Werbeanzeige aus der Festschrift zur 700-Jahr-Feier von Einsiedel 1955 verrät. Es blieb also alles in Familie...Hermann Brühl war der Schwiegersohn von Frieda Kürsten.

Beim Bombenangriff am 5. März 1945 wurde das Hauptgebäude vorn an der Straße völlig zerstört und das weniger in Mitleidenschaft gezogene Hintergebäude für Wohnzwecke hergerichtet. Im Erdgeschoss eröffnete die Gaststätte neu. Vom ehemaligen Hauptgebäude blieb lediglich der Keller (bis heute) bestehen. Auf der Grundfläche des zerstörten Hauptgebäudes wurde ein lagerraumähnlicher Anbau errichtet. Der Gaststättenbetrieb ging bis etwa 1968/69 und wurde dann zu Gunsten eines Getränkehandels aufgegeben. Erweiterungen für diesen Getränkehandel erfolgten 1985 bis 86, in dem der nach dem Krieg errichtete Anbau vergrößert wurde. Der Getränkehandel wurde in diesen Räumen bis 30. April 2012 betrieben. Mit Beginn des Rentenalters hat die letzte Betreiberin, Christina Brühl (Schwiegertochter von Hermann Brühl), das Geschäft dann geschlossen.

Ende der 1950er Jahre. Links gut zu erkennen, dass zu Wohnzwecken wieder errichtete ehemalige Nebengebäude.
(Foto: Torsten Richter)

Die gleiche Stelle, 14. September 2004.

 

2. Oktober 2014

 

 

 

 

 

Was der Großvater noch wusste...Was der Großvater noch wusste oder die Geschichte am Rande...:

In einer Zeit, als Fernsehgeräte noch fast unerschwinglich waren, hatte das Einsiedler “Kneipenleben” natürlich einen ganz anderen Stellenwert als heute.
Montags gab's im “Gasthaus zum Bahnhof” immer die “Sportler-Nachlese”. Das ging bis 1968, bevor im “Sportlerheim” (eröffnet am 31. Mai 1959) ein einzelnes Zimmer für Schankbetrieb umfunktioniert wurde (“Höhle”). Man spielte also am Sonntag und trank montags, ab 1968 waren dann die Wege wesentlich kürzer und man konnte mit dem Trinken unmittelbar nach Spielende beginnen, da der Spielausgang dafür völlig ohne Bedeutung war...

Auch immer aktuell: Skat spielen. Ein Quartett waren Walter Edel (Fleischermeister), Erich Oelsner (Schuster), Karl Swarowski (“Sauschneider”...aber das durfte man nicht sagen, es hieß “Staatlich geprüfter Kastrierer”) und letztendlich Fritz Grass (Fuhrunternehmer). Selten war es, das alle vier zugleich da waren. Man spielte “Bierlachs” in eine Kasse. Wer fehlte, der musste für einen Ersatzmann aufkommen. Das bedeutete, für diesen 1 Bockwurst und 2 Pilsner zu bezahlen und für eventuelle Spielverluste des Ersatzmannes war auch noch aufzukommen. Den Ersatzmann selbst griff man sich aus den anderen zahlreichen Anwesenden. Man musste nie zu dritt spielen...

 

 

Einsiedler Hauptstraße

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