Einsiedler Hauptstraße 84 und 86
vormals u.a. Buchbinderei Max Zickmantel

Bei den Grundstücken in der Hauptstraße 84 und 86 handelt es sich um zwei Gebäude, die sich mittig einen Giebel teilen. Es ist aber kein klassisches Doppelhaus wie wir es heute kennen. Die Nr. 84 (rechts) wurde zwei Jahre früher errichtet, wir kommen nachfolgend darauf zurück.


 

Sehen wir uns die Gebäude auf einer sogenannten
"Halt gegen das Licht-Postkarte” an, diese lief postalisch am
15. August 1902 (...also ziemlich genau 110 Jahre, bevor ich diese Seite hier begann).
Diese “Halt gegens Licht-Karten” bestehen aus bis zu drei Schichten  Papier. Viele Fenster der abgebildeten Häuser sind ausgeschnitten oder  ausgestanzt, damit das Licht ebenda von hinten durchscheinen kann. Dies suggeriert dann den Anschein, die Fenster seien “beleuchtet”.

Aber wir wollen uns die Häuser einzeln betrachten und beginnen mit dem 1887 errichteten Gebäude in der
Einsiedler Hauptstraße 84.

Es handelt sich dabei um rechte Haushälfte, für die sich leider nur wenige Daten finden.
Von Sigrid Heinrichs, die die beiden Schwarzweiß-Fotos (links und darunter) beisteuerte, erfuhr ich Folgendes:
Im Erdgeschoss des Gebäudes befand sich die Buchhandlung der Frau Lehm, deren Familie auch Besitzer von Haus und Grundstück war. Das Fenster im Erdgeschoss ganz rechts war die ehemalige Ladeneingangstüre.
Bedauerlicherweise fanden sich bisher dahingehend keine vertiefenden Daten. Der Strumpfwirker Ernst Lehm sowie der Expedient Konrad Lehm waren Mitte der 1920er Jahre hier wohnhaft.

Beide Fotos wurden nach 1961 aufgenommen, erkennbar an der im Hintergrund sichtbaren neuen Schule bzw. dem Zwischenbau zwischen altem und neuem Schulhaus.

Hintergrundwissen Expedient:
Als einen Expedienten bezeichnet man einen kaufmännischen Angestellten. Der Schwerpunkt dessen Tätigkeit ist der Versand von Waren und Gütern im weitesten Sinne (Transportversicherungen, Ein- und Ausfuhrgenehmigungen, Zölle, Transportkostenabrechnung).

 

 

 

 

Viel umfangreicher ist die Datenlage zum Grundstück
Einsiedler Hauptstraße 86.

Das Haus am Fuße des Schulberges ist wohl für die meisten Einsiedler ein Begriff...voraus gesetzt, man ist in Einsiedel zur Schule gegangen.
Denn genau an der Ecke Kirchgasse/Hauptstraße befand sich die Buchbinderei Max Zickmantel in der Nr. 86. Das Gebäude wurde 1889 fertiggestellt, also zwei Jahre nach dem Bau des Nachbarhauses Hauptstraße 84, als es an dessen Südgiebel gesetzt wurde.

Vorne im Hauptgebäude war das Ladengeschäft, hier haben Generationen von Schülern ihren Bedarf an Schreibwaren “beim Zicker” gekauft (und tun es noch heute).
Die nebenstehende Karte lief postalisch am 24. August 1915.
Zickmantel selbst führte sein Geschäft hier im Hause zur Miete, Eigentümer war die Familie Lehm, der wie oben erwähnt auch das Nachbarhaus Nr. 84 gehörte, auf der Postkarte in der rechten Hälfte gut erkennbar.

Die oben stehende Fotografie dürfte wohl auch aus den 1910er Jahren stammen.
Auf dem Bild sehen wir das Hintergebäude, hier war die Werkstatt der Buchbinderei Max Zickmantel.

Das Gebäude Einsiedler Hauptstraße 86 am 28. Mai 2006. Vorne das Schreibwarengeschäft (zum Zeitpunkt Ria Sieber), hinten mit dem rosa Verputz die vormalige Werkstatt, schon zu DDR-Zeiten und auch noch heute Wohnraum.

Max Zickmantel stellte nicht nur Bücher her, sondern auch die zu Beginn des 20. Jahrhunderts so beliebten Postkarten. Und er ließ es sich nicht nehmen, auf einigen dieser Karten mit abgebildet zu werden. Drei derartige Exemplare sind mir bisher bekannt und teilweise auch schon im Projekt integriert. Zeitlich lassen sich alle drei Karten wohl zwischen 1900 und 1910 einordnen.

 

Links sehen wir Max Zickmantel an der Einmündung Herrmannstraße, Beginn der Siedlung Ostheim mit gleichnamigen Café vis-á-vis.
Darunter im Biergarten des “Waldesrauschen”. Und unten rechts oberhalb der “Korkstein-, Steinholz- und Isoliermittel-Fabrik Otto Kraner” (nachmalig die “Graupappe”) in der Hauptstraße 147.


Werbeannoncen:
Links von 1926, rechts aus dem “Einsiedler Wochenblatt” 1935.
(Vorlagen: links Ingobert Rost, rechts Hans-Christian Günther)

Max Zickmantel hatte mit seiner Frau drei Kinder.
Walter, er lernte Buchbinder, Rolf, er war Maurer und die Tochter Irmgard.
Walter Zickmantel fiel im Zweiten Weltkrieg, daher wurde später der produzierende Betrieb (Postkarten/Buchbinderei) eingestellt.
Nach dem Krieg führte Max Zickmantels Ehefrau und die Tochter Irmgard -verheiratete Rödel- das Schreibwarengeschäft weiter.
Irmgard Rödel starb hochbetagt im März 2006 in einem Altersheim. Seit sie etwa um 1983/84 das Rentenalter erreicht hatte, wurde das Geschäft von Elfriede Ullmann fortgeführt, ab 1999 dann -bis heute- von Ria Sieber.

Rechts eine Annonce aus der Festschrift “700 Jahre Einsiedel” von 1955.

Die beiden Häuser Hauptstraße 86 und 84 oben links im Jahre 1970 und rechts am 28. Mai 2006. (Foto links: Kirchgemeinde Einsiedel)

 

Ein Blick vom Schulturm am 17. September 2006 zeigt uns einen Ausblick auf die rückwärtige Ansicht von Vorder- und Hintergebäude. Die linke Gebäudehälfte ist Hauptstraße 84.

 

 

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