Einsiedler Hauptstraße 42
vormals "Restaurant zur Talsperre"

Ehemalige Ortslistennummer/Brandkatasternummer 82

 

 

 

Über das Restaurant zur Talsperre liegen leider nur wenige Daten vorn, dafür sind aber Bilder in ausreichender Zahl vorhanden.

Links ein Ansichtskartenmotiv aus den 1930er Jahren.

Eine Lithographie von 1907. Es war wohl eine zum Zeitpunkt schon einige Jahre alte Karte.
Dazu noch folgende Erklärung: Man achte auf das  “Th” in “Thalsperre”. Am 17. und 18. Juni 1901 wird bei einem Orthographiekongress eine Rechtschreibreform beschlossen, welche für das Deutsche Reich, für Österreich und die Schweiz Gültigkeit haben soll. Mit Beginn 1. Januar 1903 treten die Neuerungen amtlich in Kraft, für die Schulen mit Schuljahresbeginn 1903/04. Eine Neuerung war der Wegfall des “th” in den deutschen Wörtern, wie eben bei “Thalsperre-Talsperre”. Ebenso schreibt man jetzt ”k” statt “c” (also “Direktor” statt “Director”).

Man achte auf den Biergarten linker Hand des Gebäudes, wir kommen nachfolgend noch einmal darauf zurück.
(Vorlage: Jürgen Krauß)

Ansichtspostkarte, gelaufen am 10. April 1910.
(Vorlage: Jürgen Krauß)

Seit dem Jahre 1874 ist Eduard Lißner als Eigentümer bekannt.

1919 übernahm Max Lißner das Gasthaus.

Links und rechts zwei Abbildungen aus den 1920er Jahren.
(Foto rechts: Haus & Grund Einsiedel)

Der auf der Lithographie oben abgebildete Biergarten wurde (sehr wahrscheinlich in den 1920er Jahren) zu einem Wintergarten umgebaut.
Es scheint mir also an dieser Stelle angebracht, zwei Wintermotive zu präsentieren...
(Postkarte links Jürgen Krauß, Foto rechts Uwe Aurich)

Kinderfest 1931.
Der Festwagen des Naturheilvereins vor dem Restaurant zur Talsperre.
(Foto: Jürgen Krauß)

Zum Zeitpunkt fungierte das Gasthaus auch als Vereinshaus der Ortsgruppe des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes (DHV).

Hintergrundwissen “Deutschnationaler Handlungsgehilfenverband”:
Im Jahre 1893 konstituierte sich in Hamburg der DHV als ständische Interessenvertretung kaufmännischer Angestellter, also eine Art Gewerkschaft. Der DHV war antisemitisch und antifeministisch, was damals durchaus dem Zeitgeist entsprach.
Auch politisch war der Verband aktiv und positionierte sich gegen die damals dominierenden liberalen Angestelltenverbände, die als "antinational" bezeichnete Sozialdemokratie und das jüdische Großkapital.
1913 zählte der DHV fast 150.000 Mitglieder und war mit Ortsgruppen flächendeckend im gesamten Deutschen Reich und auch im Ausland präsent.
1919 schloss er sich mit einigen kleineren Verbänden zum Gesamtverband deutscher Angestelltengewerkschaften (Gedag) zusammen und spielte darin die führende Rolle.
Die im Gedag zusammengeschlossenen Verbände wuchsen bis 1930 auf 592.000 Mitglieder an und waren damit der stärkste und einflussreichste Zusammenschluss von  Angestellten in der Weimarer Republik. Ab 1931 orientierte sich eine Mehrheit der Mitglieder politisch auf die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP). 1933 ließ sich der DHV freiwillig gleichschalten und ging in der Deutschen Arbeitsfront (DAF) auf.

Reklame, Reklame...

Oben links 1926, links 1935, oben 1936.

Das Gebäude fiel dem Bombenterror am 5. März 1945 zum Opfer und wurde nicht wieder errichtet.
(Foto: Ingobert Rost)

Der Name “...zur Talsperre” konnte nun anderweitig verwendet werden und wurde ab 1946/47 durch die “Konditorei und Kaffee Hampel” genutzt (siehe ebenda).

Im Jahre 2004 zur 750-Jahr-Feier erinnern die Eigentümer von Hauptstraße 42 mit Puppen und einem Hinweisschild an das ehemalige Gasthaus.
Foto vom 14. Juni 2004.

Der ehemalige Standort des “Restaurant zur Talsperre” war in etwa da, wo jetzt die Bäume stehen sowie links daneben.
Das Foto ist vom 1. Februar 2007.
Das Grundstück wurde irgendwann einmal geteilt. Links neben der Laterne (nicht mehr sichtbar) befindet sich jetzt das Grundstück 42a.
Das Wohnhaus in der Nr. 42 mit der orangenen Fassade links gehört noch immer der Familie Lißner.

 

 

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