Einsiedler Hauptstraße 125
vormals Stellmacherei Emil Reichel

Über die Stellmacherei und deren Besitzer in der Hauptstraße 125 gibt es wenig leider Erfreuliches zu berichten.

Links ein ganz frühes Foto des Hauses. Die eingezogenen Quadrate sollten dem Maler Walter Viertel einmal als Vorlage für ein Gemälde dienen - was leider nie verwirklicht wurde.
(Foto und Recherche: Ingobert Rost)

Emil Reichel

Der Inhaber der Stellmacherei war Emil Reichel, geboren am 28. Oktober 1898.
In der von Ingobert Rost publizierten Liste der gefallenen Einsiedler im Zweiten Weltkrieg erscheint der Name Emil Reichel an zweiter Stelle in der traurigen Chronologie. Er verstarb am 24. April 1940 in einem Warschauer Lazarett.

Die Aufnahme oben links zeigt Reichel etwa im Jahre 1928/29.

Wahrscheinlich war es sein Führerschein (oben), der ihm zum “Spezialisten” machte, war doch der Besitz derartiger Papiere zur damaligen Zeit noch recht selten. So lässt es sich vielleicht erklären, dass der Weltkrieg-1-Teilnehmer schon zu Beginn des 2. Weltkrieges mit über 40 Jahren erneut einberufen wurde.

Das nebenstehende Foto zeigt seine beiden Wehrpässe, links den Sächsischen aus dem Jahre 1916, rechts den Wehrmachtspass von 1938.
(Foto, Führerschein, Wehrpässe: Ingobert Rost)

Zurück zum Grundstück Hauptstr. 125:
Der Bombenterror vom 5. März 1945 gab dann auch noch der Familie und dem Haus den Rest, das Gebäude wurde durch eine Sprengbombe vollkommen zerstört. Man sagt, dass die Bewohner, die im Luftschutzbunker der Brauerei untergekommen waren, die Reste ihrer Schlafzimmermöbel aus eben diesem Brauereigrundstück auf der anderen Straßenseite geholt hätten.
(Foto: Ingobert Rost)

Von meiner Mutter erfuhr ich, dass sie als Kind Ende der 1940er Jahre immer Handwagen in die Reste der ehemaligen Stellmacherei Reichel fahren musste.
Die Stellmacherei wurde nach dem Kriege von einen Herrn Schwalbe weiter betrieben. Dieser war ein wortkarger Mann und hatte mit dem namensgleichen Gründer der Brauerei auf der gegenüberliegenden Straßenseite nichts zu tun. Schwalbe hat bei meinem Urgroßvater Max Fischer in dessen Schmiede (Hauptstraße 74) die Eisenbereifung auf die Holzräder der besagten Handwagen aufziehen lassen.

Heute lässt uns nur noch ein rückwärtiges Nebengebäude eine Brücke in die Vergangenheit schlagen. Schon vor dem 2. Weltkrieg hatte sich das Aussehen des Hauses Nr. 125 wie auch der Nachbargebäude durch Anbauten verändert.
Ich empfehle an dieser Stelle auch mal einen Blick auf den Artikel Hauptstraße 127 zu werfen, wo das Nachbargrundstück und auch das nebenstehende Foto mit dem Feuerwehrumzug publiziert sind. Ich habe dieses “Feuerwehr-Foto” aber hier nochmals eingefügt, da es einen Orientierungspunkt in unsere heutige Zeit wiedergibt. Man achte bitte auf das hinten stehende Gebäude, gut zwischen den beiden Häusern Nr. 125 (ganz links) und Nr. 127 (Bildmitte) erkennbar...

...den dieses Nebengebäude finden wir auch heute noch vor, auch wenn es jetzt als Wohnhaus genutzt wird und damals wie heute zum Grundstück Hauptstraße 127 gehört.

Das Grundstück Einsiedler Hauptstraße 125 am 15. Dezember 2007.

 

 

 

Einsiedler Hauptstraße
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