Einsiedler Brauhaus 1937 - 1953
Winterling & Co.

Teil IV  Winterling & Co.
Offene Handelsgesellschaft (OHG) 

 

1937
Durch Verkauf geht der Betrieb am 24. September in Privatbesitz zurück. An diesem Tage versammeln sich in der Geschäftsräumen der Radeberger Exportbierbrauerei AG in der Chemnitzerstraße 6 in Dresden der Notar Dr. Friedrich Erler (Dresden) sowie Dr. Ernst Krause (Dresden) und Rudolf Horch (Radeberg) als Verkäufer und die Brüder Karl Winterling (Röslau), Eduard Winterling (Kirchenlamitz), Ferdinand Winterling (Schwarzenbach) und Fritz Winterling (Marktleuthen) als Käufer.
Die Brüder Winterling gründen die Offene Handelsgesellschaft “Einsiedler Brauhaus Winterling & Co.”, welche am 28. September in des Handelsregister beim Amtsgericht Chemnitz eingetragen wird.
Die Karte oben aus dem Jahre 1941 zeigt uns, dass die Gebrüder Winterling einen Betrieb übernahmen, der technisch auf der Höhe der Zeit zu stehen scheint...
Die Postkarte unten links (Reproduktion des Einsiedler Brauhauses) zeigt eine 1936 angeschaffte 6-Walzen-Schrotmühle. Diese ist im Jahr 2013 noch immer im Einsatz. Die Wechselbilder (8 sec.) unten rechts verdeutlichen uns das ganz ausgezeichnet. Diese Aufnahmen ermöglichte mir mein Schulfreund Ralf Klaus, der mich dankenswerter Weise in die oberste Etage des Sudhauses mitnahm und mir diese historische Technik kurz erläuterte und vor allem in Aktion präsentierte. Ich war nicht der Einzige, wir gingen die Treppen gerade wieder hinunter, als ein anderer Brauereimitarbeiter mit einen kanadischen Besucher uns entgegen kam. Der Kanadier war in Chemnitz (seine Vorfahren stammten von hier) und besuchte zufällig das Brauereifest.

1938
Am 28. Oktober erlischt die Prokura von Karl Schwalbe, dem Sohn des Firmengründers. Am gleichen Tage wird Dr. Otto Nothaft Prokura erteilt.
Aus etwa diesem Zeitraum stammt auch das nebenstehende Foto vom Sudhaus. Deutlich zu erkennen, dass mittlerweile die Treppe und auch die kleinen Lampen über den Hähnen erneuert wurden. Wir erinnern uns an die Abbildung im vorangegangen Abschnitt.

1939
Zum Kriegsausbruch am 1. September müssen wie bereits 1914 Lkw und Pkw an die Heeresverwaltung abgegeben werden und auch Belegschaftsmitglieder werden zur Wehrmacht einberufen. Der Absatz bleibt mit etwa 38.000 hl bis Kriegsausbruch relativ konstant. Im Laufe der nun folgenden Kriegsjahre wird sich sowohl das Sortiment verringern, als auch der Stammwürzegehalt der einzelnen Sorten immer niedriger.
Die nachfolgende Tabelle soll das verdeutlichen:

Stammwürzegehalt der einzelnen Sorten in Prozent

Sorte

 

1938

1940

1941

1942

1943/44

Böhmisch

 

11,1

9,0

7,5

3,0

3,0

Kristall

 

12,6

10,3

8,5

7,0

 

Weizen-Malzbier

 

6,0 (12,0 aufgezuckert)

 

 

3,0 mit Süßstoff

2,0 mit Süßstoff

Bock

 

16,0

 

 

 

 

Doppel-Bock

 

18,0

 

 

 

 

Rubin (dunkel)

 

 

10,3

8,5

 

 

 

 

Die Daten für die obige Tabelle fanden sich in der Einsiedler Ortschronik, niedergeschrieben im April 1979. Autor derselben war Curt Grasemann, seinerzeit im betriebseigenen Labor des Brauhauses beschäftigt.
Rechts ein Foto von ihm.
(Foto: Einsiedler Brauhaus)

Curt Grasemann

1940
Der Gärkeller wird umgebaut. Wir sehen die Gärbehälter auf dem Foto unten links. Daneben: Die Etikettierung der Fässer erfolgt manuell.
(Fotos: Einsiedler Brauhaus)

 

 

1945
Beim Luftangriff am 14. Februar fielen erste Bomben auf das Betriebsgelände. Im April wurde ein Bierfahrer samt Pferden bei einem Luftangriff in Altchemnitz getötet. Noch viel größeren materiellen Schaden hinterließ der Bombenterror am 5. März. Um die 2.000 m² Dachfläche brannten ab, sämtlich Fenster gingen zu Bruch und der gesamte Vorrat an Hopfen verbrannte.
Die Belegschaft selbst war es hier, die sofort mit dem Wiederaufbau begann. Brandlöschung und Schuttberäumung waren die ersten Schritte. Aus dem brauereieigenen Wald wurde Holz für die Aufbringung von Notdächern herangeschafft.
Für Belegschaftsmitglieder, die ihr Heim verloren hatten, fanden sich Notunterkünfte im Betrieb. Sieben Männer der Belegschaft waren an den vielen Fronten dieses schrecklichen Krieges gefallen.
Für die Bierherstellung bringt dieses Schicksalsjahr nochmals deutliche Einbußen in Qualität und Quantität. Die Ausstoßmenge beträgt am Jahresende aber immerhin noch 24.000 hl. Während im 2. Quartal nur fünf Sude gebraut wurden, waren es im vierten Quartal bereits neun Sude ("Dünnbier" mit 2-3 % Stammwürze).
Das Brauhaus ergriff auch beim Wiederaufbau von zerstörtem Wohnraum der Betriebsangehörigen die Initiative. Für die Gemeindeverwaltung begann nach Kriegsende die Gestellung von Lkw und Fahrern, sei es zur Lebensmittelbesorgung oder zur Trümmerbeseitigung.
Die Karte unten links zeigt den Schalander, den Pausenraum für die Belegschaft. Die Einrichtung fiel den Brandbomben zum Opfer. Die drei Wechselbilder (5 sec.) daneben zeigen uns den Schalander im Aussehen am 16. Januar 2008.
(Foto unten links: Reproduktion des Einsiedler Brauhauses)

 

 

1946
Durch Hopfenabgaben benachbarter Brauereien kommt sukzessive die Produktion wieder in Gang.
Am 29. Juli erlischt die Prokura von Dr. Otto Nothaft.

1948
Die Wirtschaftskommission in der Sowjetischen Besatzungszone genehmigt am 7. Juli ein Bierersatzgetränk. Der Preis beträgt 50,00 Reichsmark/hl incl. Biersteuer. Terminüberschreitungen gegenüber der staatlichen Abgabenverwaltung und Steuerrückstände läuten einen lange sich hinziehenden Prozess bis zur endgültigen staatlichen Übernahme 1972 ein (“volkseigen”).

 

 

1952
Die Brauerei erreicht einen Jahresausstoß von 47.000 hl.
Das Foto zeigt den Fasskeller etwa um die gleiche Zeit.
(Foto: Reproduktion des Einsiedler Brauhauses)

 

 

Am 17. Juli tritt in der DDR die
“Verordnung zum Schutze des Volkseigentums” in Kraft...

 

 

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